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Biographische Notizen zu Louis Schellinger, etwas unvollständig, da ein biographischer Schuhkarton verloren ging und ersetzt werden muss durch intensive Befragung noch lebender Zeitzeugen, was aber schwierig wird, weil die ja alle nicht mehr leben oder so…. 

1915: Louis Immanuel Johann Amadeus  Schellinger wird geboren als neuntes Kind des
          Holzfällers  Matthias Klaus Dieter Schellinger und dessen Ehefrau Maria, geb. Müller

1917: schon früh entwickelt der kleine Louis musikalisches Talent, wenn er sich heimlich aus
          Holzabfall-Resten seines Vaters ein xylonphonähnliches Klangwerk baut und darauf sehr
          zum Missfallen seines älteren Bruders Hasso musiziert

1918: bei einem Holzfällertreffen lernt Matthias Klaus Dieter Schellinger die bis dahin kinderlose
          Köhlerfamilie Badstuber aus dem bayrischen Wald kennen. Kurzerhand beschließen die
          Schellingers, den fast vierjährigen Louis von der Familie Badstuber adoptieren zu lassen.
            Auf einer Waldlichtung wird Louis der Familie übergeben, er trägt einen Matrosenanzug,
           im Koffer ein wenig Leibwäsche und ein kleines Kistchen mit seiner „Holzmusik“, wie er
           später  sagen wird, mittlerweile hatte er die Holzabfälle seines Vaters sorgfältig poliert und
          entsprechend einer Zwölfton-Leiter arrangiert. Louis begrüßte, wie er später in einer Notiz
          festgehalten hatte, ausdrücklich die Trennung von seinem Bruder Hasso, da er um sein
          Klangwerk  öfter hatte fürchten müssen. Hasso Schellinger berichtet über sich selbst aus
         dieser Zeit  in einem bis heute verschollenen Novellenfragment, das angeblich den Titel
       „Pyromania“    tragen soll.

1925: voller Stolz auf „ihren“ begabten Louis finanzieren die armen Badstubers ersten
         Klavierunterricht  bei Gustav Schaftlhuber, Organist an St. Andreas, Perlesreut

1928: Entlassung Volksschule Perlesreut, weitere Klavierausbildung bei „Lehrer Gustav“

1929: Besuch der Münchner Staatsoper, Cosi fan tutte unter Bruno Walter: Louis beschließt,
          Komponist zu werden

1935: studiert an der Staatlichen Akademie der Tonkunst, München; Beginn der Freundschaft mit
         dem   20 Jahre älteren Carl Orff, der sein musikalischer Mentor wird und bei einem Besuch
        das immer noch aus frühen Kindertagen vorhandene Holzkistchen mit den polierten
        Klangstäben entdeckt, woraufhin Orff angeblich gesagt haben soll: „Da ließe sich Einiges
       an Schlagwerk draus  weiterentwickeln, lieber Louis!“

1938: Aufnahme der Studien an den Konservatorien Zürich und Genf als Stipendiat der
         „Société des Bucheron Suisse“

1939: erste Entwürfe für seine Gletschersinfonie, Arbeitstitel „Der Berg ruft mir“

1940 -1946 folgen verschiedene „Reisen“ nach Frankreich, ins Baltikum und in die Ukraine und
                  über Dessau dann wieder nach Frankreich (Nord), von wo aus Schellinger im
                  Frühjahr 1946 die   abenteuerliche Rückreise nach München antritt. Insgesamt
                 kennzeichnet Schellinger später  diese „Reisen“ als weniger geeignet zur Entwicklung
                 kompositorischen Fortkommens, vielmehr war er in dieser Zeit auch damit beschäftigt,
                 mehrstimmigen Männergesang zu arrangieren, zu dirigieren und mitzusingen. Kritiker
                verweisen auf diese Phase seines Lebens,  wenn sie die sehr „stramm“ arrangierten
                Sätze einiger seiner Sinfonien aus der Mitte der  50er Jahre charakterisieren

1946 – 1948 lange Monate der Tonlosigkeit und Verstummung prägen seine Zeit der
                     wiederaufgenommenen Kompositionsstudien an der Akademie in München

1949: Reise in die Schweiz, neuer Kontakt zu Schweizer Holzfällern und Wiederaufnahme der
         Arbeiten  an der Gletschersinfonie, im Dezember 49 veröffentlicht unter dem Titel
          „3. Sinfonie, schlicht alpin“;

1950: Louis Schellingers „Schlicht Alpine“, wie sie von der Kritik genannt wird, begeistert die
          europäische Musikkritik nur kurz, festigt aber seinen Ruf, als Erneuerer spätromantischer
          Gletschervisionen in Musik erstarrtes Eis geschaffen zu haben

 

1951 – 1962 [Karton weg]

1963 es bleibt spannend im Leben von Louis Schellinger

…wird fortgesetzt…

 

Einige Notizen aus dem Leben des großen Komponisten Louis Schellinger, unsortiert und undatiert:

As

Nach meiner Dritten musste ich einfach mal drei Monate Pause machen.

Da steh ich nun, und was nutzt's, wäre besser gar nicht aufgestanden heut morgen, sondern hätte bis zur Nacht durchschlafen sollen...überhaupt: abends aufstehen, das wär's. Aber was soll's, habe grad mal einen halben Satz heut zustande gebracht für eine neue Sinfonie, die Streichersätze und der Kontrapunkt bringen mich um den Verstand, und dann musst ich auch noch den unverschämten Kaminkehrer bezahlen, hat mir die ganze Stube mit seinem Geruch ruiniert. Waschen sich so Leut' eigentlich gar nicht?

 

Ja, ja, der Beethoven, meines Wissens 16 Mal umgezogen in Wien...passte alles immer auf einen kleinen Handkarren. Als Grund für soviele Wohnungswechsel vermute ich mal die Nachbarn, den trotteligen Lärm, den er beim Komponieren machte, seine Taubheit, seine Mietschulden...ein echter Mietnomade, der Beethoven, ha! Da lob ich mir meine bescheidene Hütte, werd' so schnell hier nicht fortgehn, jetzt wo grad der Kamin wieder frei ist. Rein das Holz und flugs zur Feder gegriffen für ein paar Linien in den Oboen, die brauchen's kräftig.

Nach soviel kompositorischer Arbeit wie heut - die Oboen werden sich wundern und die Auftragsarbeit für Mönchengladbach ist begonnen, nach soviel Arbeit gönne ich mir die Einkehr in mein Lieblingsbaisel...Wiener Schnitzel mit allem Drum und Dran und Erdäpfel-Vogerl-Salat, ja, und dazu einen Grünen Veltliner, ein Federspiel von der Domäne Wachau. Die Kunst geht nach Brot, sagt Lessings Maler, die Musik braucht halt immer noch a Bisserl was mehr, einen Wein halt auch dazu.

 

Unter dem Sternenzelt ist wie über dem Sternenzelt: Hauptsache nah!

Am Abend, wenn alles ruht, nehm' ich mir gern mal unterentwickelte Opernstoffe vor. Ja, im Sopran, da hat's a g'wisses Potential und man hat ja die Potenz an sich, da könnte man ein paar Koloraturen dann noch einarbeiten bei der Sigismunde oder der Dorinthe...ich schau mal, welche Muse mich noch küssen mag. Alsdann, beflügelt an den Flügel, aber niemals ohne Radiergummi, das löscht die Schande, damit's hinterher keiner mehr merken tut.

Herrje, drüben über die Wiese, gedachte 150 Meter von hier, schnattern die Enten wieder so erbärmlich...wie soll man dabei eine sinnvolle Note auch nur denken, geschweige denn notieren können...und den Klavierstimmer muss ich auch noch bezahlen...Geld ist wichtig, aber große Oper auch, ich höre euch gar nicht mehr, ihr Enten, ihr erbärmlich unmusikalisches Geflügel.

Fallerallalla...fallerie...fallero...fallermodellbau...fallerum...rrrumss...aua

Glücklich ist, wer sein Cello vergisst und den Hammer ans Klavier hängt...oben!

Manchmal hängt der Himmel auch voller Arschgeigen, aus denen es literweise schüttet, bah ekelhaft.

Klang und Fang...hach...Musik ist Trieb und Fetisch, Einstein, Karl Marx und Botticelli und Leonardo gleichzeitig...dionysisch eben, aber was red' ich, singen sollt' ich's, mit geschlossenen Augen und dem Orpheus folgen, aber wehe, Ihr lasst mich von da unten nicht wieder hoch, hab' hier noch eine Menge Zwölfeinhalbtöner zu erledigen, oh wie ist die Neue Musik in letzter Zeit gealtert.

Jetzt eine neue Oper komponieren, d.h. die Musik dazu, also zu dem Libretto, das ich in Händen grad halte...ist ein moderner Stoff: 1. Akt: ein junger Soldat klaut einen Panzer, rundherum Sand, Schlamm, Heidelandschaft, Heidschnucken. 2. Akt: er fährt mit dem Panzer bei seiner Geliebten vor, sie ist Bäuerin und hat zwei Kinder, im Stall Schweine, rundherum Sand, Schlamm, Heidelandschaft, Heidschnucken. 3. Akt: Beide vergraben gemeinsam den Panzer...rundherum...naja...das Übliche. 4. Akt: Zeitsprung: Die Zukunft im Jahre 3225. Archäologen graben den Panzer aus und ermorden sich gegenseitig, weil sie die Macht der Waffe an sich entdecken, entfesselte Leidenschaft, weil eine Archäologin dabei ist, hauptsächlich Blut und Körperflüssigkeiten dominieren das Bild, rundherum Sand, Schlamm, Heidelandschaft, Heidschnucken (mutiert). 
5. Akt: wie erster Akt, nur dass es kein Panzer ist, sondern ein Dreirad, das Blutbad in der Zukunft wird verhindert, das Dreirad nicht vergraben, sondern den Kindern geschenkt. Arbeitstitel für die Oper: FALLINGBOSTEL

Brauchen Komponisten Einfälle? Nein! Sie wären dann ja Einfallspinsel ohne Einfalt. Es ist die Einfalt, die das Geniale ausmacht, einfach einfältig sein, ohne einfällig zu sein. Hatte Mozart „Einfälle“, oder Goethe oder „Ein“stein??? Nein, sie alle, wir alle, sind einfältig, lieben das Einfache, weil es das Schwierige ist…und kommen so zum Wesentlichen, das die Menschen beglückt, egal ob in Dichtung, Zeitreise oder Musik…hat alles was…Ja….seufz.

Die Quinte ist vulgär, einfach vulgär und geschmacklos, wie so oft.